Im Portrait: Die neonatologische Abteilung der
Kinderklinik Tübingen
Wenn
ein Baby unterwegs ist, ist die Freude groß. Es schleicht sich aber die Frage
ein: geht alles gut? Regelmäßige Schwangerschaftsuntersuchungen vertreiben
meist schnell die Sorgen. Aber manchmal kommt das Baby zu früh auf die Welt. In
diesen Fällen bietet die Kinderklinik der UKT mit der Neonatologie die
allerbeste Unterstützung in ärztlicher und psychologischer Betreuung. Die
Neonatologie ist in drei Abteilungen untergliedert.
In der Neo 1 (Neugeborenen-Station)
werden Kinder aufgenommen, die zum Ausschluss von Erkrankungen überwacht werden
müssen oder nur leichte Erkrankungen haben.
Die Neo 2 ist die Intensivüberwachungsstation
für Früh- und Neugeborene. Auf der Neo 3 werden Frühgeborene und kranke
Neugeborene behandelt, die eine Atemhilfe brauchen oder beatmet werden müssen.
Die
Station Neo 3 liegt dicht neben dem Kreißsaal, in dem die kinderärztliche
Erstversorgung der Kinder stattfindet. Kranke Früh- und Neugeborene, die einer
weiterführenden Behandlung benötigen, sind durch die kurzen Wege zur
Intensivstation keinen weiteren Belastungen des Transports ausgesetzt. Dies ist
die Voraussetzung für den Therapieansatz, bei dem auf die vorhandenen
Anpassungsfähigkeiten insbesondere der frühgeborenen Kinder nach der Geburt gebaut
wird. Hier wird alles getan, um vorhandene Fähigkeiten zu unterstützen und wenn
nötig, fehlende Funktionen stufenweise zu ersetzen. Auf der Intensivstation
können 17 Früh- und Neugeborene behandelt werden. Jeder Behandlungsplatz bietet
alle technischen Voraussetzungen für die Behandlung schwerkranker Früh- und
Neugeborener mit allen Atemhilfen und Beatmungsmöglichkeiten. Darüber hinaus
werden Kinder mit Fehlbildungen, z. B. im Bereich der inneren Organe, des
Kopfes, des Bauches, des Rückens sowie der Arme und Beine zusammen mit den
Kinderchirurgen oder anderen Fachdisziplinen versorgt. Es besteht eine enge
Verknüpfung mit den anderen Abteilungen der Kinderklinik. Wichtige
diagnostische Methoden wie Röntgen, EKG, EEG und aEEG, Ultraschall sowie
Herz-Echo können direkt auf der Station durchgeführt werden. Für die
Kernspinntomographie steht ein besonderer Inkubator zur Verfügung, der auch bei
kleinen und beatmeten Frühgeborenen eine schonende und sichere Untersuchung mit
stark verbesserter Bildqualität möglich macht.
Ein weiteres wichtiges Angebot
ist die psychologische Betreuung der Eltern insbesondere der Mütter. Diese
machen sich oft Vorwürfe, dass sie nicht in der Lage waren, ihrem Kind den
Schutz und die Zeit zum Wachsen im Mutterleib zu bieten. Die Mütter dürfen die
gesamte Zeit bis zur Entlassung ihres Babys in der Klinik bleiben und jederzeit
auf die Stationen kommen. Die Schwestern beziehen Mütter und auch Väter in die
Pflege der Winzlinge mit ein, damit Scheu und Ängste verschwinden. Im
Känguruhsessel können die Eltern mit ihren Kindern auf dem Bauch liegend lange
Zeit verbringen. Der enge Körperkontakt unterstützt das Wachsen der Gefühle für
Geborgenheit und Verbundenheit. Für Frühchen bedeutet Nahrungsaufnahme und Verdauung
Schwerstarbeit. Magen und Darm müssen eigens dafür „trainiert“ werden, da diese
in dem frühen Stadium des jungen Lebens noch nicht voll funktionsfähig sind.
Alles Menschenmögliche wird für die Kleinen getan, um ohne Schäden lebensfähig
zu werden.
Kleine Wunder sind vollbracht, wenn die 400, 800 oder 1200 Gramm
Babys eines Tages nach Hause können. Doch bevor es soweit ist, steht ein Umzug
in das ELFEN-Zimmer an. Hier verbringen Kind und Eltern die letzten Kliniktage
und –nächte gemeinsam unter häuslichen Bedingungen. Es wird gefüttert, gebadet,
gewickelt – kurzum der ganze Babyalltag spielt sich hier ab. Noch ist das Baby
durch eine Sonde mit dem Monitor verbunden und falls die Mutter beunruhigt ist,
kann sie sich mit der Krankenschwester telefonisch in Verbindung setzen. Auf
einem Pager, den die Schwester bei sich trägt, werden die Daten angezeigt und
es sofort ersichtlich, welche Probleme vorliegen.

(eine süße Maus - der letzte Abend im ELFEN-Zimmer)
Wie bereits eingangs erwähnt, spielt die psychologische Betreuung eine wesentliche Rolle in diesen Wochen und manchmal auch Monaten, bis das Frühchen heim kann. Diese Kosten übernimmt während des Klinikaufenthaltes die Krankenkasse. Sobald Mutter und Kind entlassen sind, werden die Betreuungskosten nicht weiter bezahlt. Besonders in der ersten Zeit daheim ist eine psychologische Unterstützung besonders wichtig und hier werden die Betroffenen oft allein gelassen. Damit die Arbeit der Ärzte, Eltern und des Kindes nicht wegen fehlenden Mitteln für die Katz` wird, haben sich Eltern, Schwestern, Psychologen und Ärzte sich zusammengeschlossen und den Verein „Lichtblick Verein für Eltern Frühgeborener und Risikoneugeborener Tübingen e.V.“ gegründet. Für die Eltern werden Kontakte zwischen Betroffenen vermittelt und der Erfahrungsaustausch erleichtert. Eltern und Interessierte werden durch Fachvorträge und –tagungen informiert, familiäre Treffen wie Sommerfest und Adventsfeier organisiert. Eine ganz wichtige Aufgabe sieht der Verein in der Hilfestellung bei nachstationären Fragen und Problemen. In der Öffentlichkeit wird auf die Situation von Früh- und Risikogeborenen und deren Eltern hingewiesen und ihre Interessen nach außen vertreten. Die Unterstützung in der Klinik umfasst die Hilfe bei der Ausgestaltung von Eltern und Kindern, die Verbesserung der Ausstattung sowie den Erfahrungsaustausch zwischen Eltern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Neonatologie zu intensivieren. All diese Aufgaben und Ziele sind nicht nur Zeit sondern auch Kosten intensiv. Wenn Sie sich angesprochen fühlen, sind Hilfe, Sach- oder Geldspenden herzlich willkommen.
Kontaktdaten: Lichtblick
Verein für Eltern Frühgeborener und
Risikogeborener Tübingen e.V.
c/o Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
Abteilung Neonatologie
Calwer Straße 7
72076 Tübingen
Tel. 07071 2980895
info@lichtblick-tuebingen.de
www.lichtblick-tuebingen.de
Spendenkonto: Kreissparkasse
Tübingen
Konto-Nr. 2406925
BLZ 64150020
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Dieser Artikel ist in "Tübingen im Fokus" erschienen.
3. Jahrgang - 15. Woche 09.04.2009