Freundeskreis der Schlossfledermäuse e. V. Tübingen
Die Lobby für Fledermäuse - Ehrenamtliche Helfer im Hintergrund
(Erschienen in "Tübingen im Fokus" 2. Jahrgang 33. Woche am 15.August 2008)
Beitrag für den Journalistenpreis GEO Der Wilde Rabe - Deutsche Wildtier Stiftung

Seit über 100 Jahren lebt eine Fledermauskolonie
des Grossen Mausohrs auf dem Tübinger Schloss. Diese Fledermäuse sind ihren
Sommer- und Winterquartieren sehr treu vor allem die Weibchen. In den letzten
Jahren wurden die Fledermäuse landesweit um 80% dezimiert. Das hat verschiedene
Gründe, z.B. Nahrungsmangel durch Insektizide, Vernichtung der Quartiere und
direkte Tötung durch den Menschen. Auch die Mausohren auf dem Tübinger Schloss
sind davon nicht verschont geblieben. Vor der Renovierung des Tübinger
Schlosses lebten die Mausohren unterm Dach im Südflügel. Bei den Umbaumaßnahmen
wurde für Fledermäuse giftiges Holzschutzmittel verwendet, der Kamin
abisoliert, eine Zwischendecke eingezogen und eine Galerie mit Treppe
eingebaut. Dadurch änderte sich das Kleinklima unterm Dach und der Flugraum
wurde wesentlich verringert. Das Holz auf dem Dachboden ist gegen Anraten der
damaligen Fledermausspezialisten mit dem auch für uns giftigen PCB und Lindan
behandelt worden. Um den Lebensraum der Winzlinge zu schützen, wurde der
Freundeskreis der Schlossfledermäuse e. V. Tübingen ins Leben gerufen.
Aus ganz Deutschland werden inzwischen Patienten auf Bausenweins „Fledermausintensivstation“ gebracht. Sie leiden unter Vergiftungen, haben Knochenbrüche, auch schon mal eine Lungenentzündung oder Angina. Liebevoll und oft mit viel Mühe sind hier schon Tausende der Tiere aufgepäppelt und gesund gepflegt worden.
Am
vergangenen Samstag abend fanden sich rund 50 Kinder und noch mal so viele
Erwachsene am Treffpunkt hinter dem Schloss ein und lauschten den Ausführungen.
Der Star des Abends war ohne Frage der 9-jährige Fledermäuserich Carlo, der
buchstäblich aufs Wort hört und seine fledermaustypischen Merkmale zur Schau
stellte. Carlo lebt seit Jahren im Haushalt von Frau Bausenwein und hat schon
manch Husarenstück geliefert, sei es als Paketzustellerschreck oder als
mokkasahneverteilender Propeller, langweilig wird es im Hause Bausenwein gewiss
nicht.
Fledermäuse sind schützenswert und obendrein nützlich, sie fressen
Stechmücken und andere Insekten, ca. 20.000 Stück pro Nacht. Als älteste
Säugetiere der Welt existieren sie in Deutschland bereits seit 50 Millionen von
Jahren. Fledermäuse zeichnen sich durch Intelligenz und soziales Verhalten aus.
Die Weibchen verteilen gerne unter einander Streicheleinheiten, während die
Männchen Platzhirschgebahren an den Tag legen. Wir erfahren außerdem, dass
Fledermäuse sehr reinlich sind, kein Wunder bei einem Pflegemarathon von
täglich 6 bis 8 Stunden. Fledermäuse orientieren sich am Echolot und legen in
ihrem Gedächtnis eine Landkarte von der Umgebung ab, jeder Baum, jedes
Hindernis wird registriert und zielsicher bei nächtlichen Ausflügen umflattert.
Vor dem Winterschlaf, der 6 Monate dauert, fressen sich Fledermäuse die Hälfte
des Eigengewichtes als Reserve an. Die normale Körpertemperatur von 40 Grad
sinkt auf 3 bis 5 Grad Celsius, der Herzschlag wird auf 15 bis 26 Schläge pro
Minute reduziert, die Luft bis zu 90 Minuten angehalten.
Mehr über Fledermäuse
und den Freundeskreis der Schlossfledermäuse e. V. Tübingen auf www.fledermaeuseintuebingen.de
oder bei einer der nächsten Führungen:
Samstag: 16.August 19.30 Uhr
23.August
19.30 Uhr
30.August 19.15 Uhr
06.September 19.00 Uhr
Wie jeder
gemeinnützige Verein ist auch der Freundeskreis auf Spenden angewiesen. Selbst
der kleinste Betrag hilft die Futterkosten, die Medikamente und den Tierarzt zu
finanzieren.
Spendenkonto: KSK Tübingen
BLZ 641 50 20
Konto-Nr. 252322
Carlo sagt schon mal Dankeschön für Ihre
Unterstützung.