Französische
Schule, Tübingen „Jugend
(er)forscht Tübingen“
Die Französische Schule in Tübingen als Ganztagsschule für
die Grundstufen liegt im ehemaligen Besatzungs- und Kasernenviertel der Stadt.
das Projekt der Drittklässler 2008
Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen,
sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.
Maria Montessori (1870-1952), ital. Ärztin
u. Pädagogin

Sie unterscheidet sich, stark geprägt von der Freinet-Pädagogik, durch hohe
Entscheidungsbeteiligung der Kinder, wie Werkstatt-Unterricht als auch
ganztägige Aktivitäten (z.b. Tierhaltung, Theaterspiel, Musikkurse) zum Wohle
der Kinder sehr von den anderen staatlichen Schulen. Ein Mix aus Pädagogen und
Erzieherinnen ermöglicht der Schule, auf die besonderen Bedürfnisse dieses
Stadtteils und seiner sozial benachteiligten Familien einzugehen.

Ende der
neunziger Jahre hatte eine Arbeitsgruppe "Ganztagsschule" an der
Französischen Schule ihre Arbeit aufgenommen mit dem Ziel, konzeptionelle und
räumliche Varianten zu erarbeiten. Im Sommer 2002 beschloss der Gemeinderat,
die Französische Schule in eine gebundene Ganztagsschule mit
jahrgangsübergreifenden Lerngruppen umzuwandeln. Rund 250 Schülerinnen und
Schüler besuchen die Französische Schule. Die Frühbetreuung wird von angestellten
Erzieherinnen geleistet. Der Schultag gestaltet sich rhythmisiert mit
Unterricht, Projekten, Entspannungsphasen, Spiel, dem Mittagessen und Betreuung
als eine "bunte, vielfältige Zeit", wie eine Lehrerin es formuliert. Neben dem Unterricht
bekommen die Kinder viel Freiraum zum Spielen, Toben, Lesen, Basteln und Bauen,
sowohl im Schulgebäude als auch im Freien.
Dass das pädagogische Konzept auch bei den Jüngsten auf Zustimmung stößt, zeigt der Ausspruch einer Erstklässlerin: "Die Ganzstagsschule ist so schön wie der weichste Pulli meines Vaters."Die wichtigsten Vorgaben für diese Schule sind die ihr anvertrauten Kinder, kleine Persönlichkeiten, so wie sie sind, und nicht so, wie wir sie uns wünschen mögen. Sie haben ein Recht darauf, als einzelne, unverwechselbare Individuen mit unverfügbarer Würde ernst genommen zu werden. Sie haben ein Recht darauf, dass die Schule für sie da ist und nicht umgekehrt. Die Freinet-Pädagogik ist eine pädagogische Bewegung, die von Célestin Freinet 1920 in Frankreich begründet wurde mit dem Ziel, das Schulwesen von innen zureformieren. Dabei entstand gleichzeitig die Bewegung „Lehrer helfen Lehrern“. Es gibt viel nachzulesen über die Freinet-Pädagogik, z. B. bei Wikipedia. Besonders hervor zuheben sind die vier Grundsätze der Freinet-Pädagogik: eine freie Entfaltung der Persönlichkeit, eine kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt, Selbstverantwortlichkeitdes Kindes, und Zusammenarbeit sowie gegenseitige Verantwortlichkeit.
Wie gut diese Grundsätze an der Französischen Schule in Tübingen umgesetzt werden, davon konnten sich am Samstag, den 26.04.2008 interessierte Besucher ein Bild machen. Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste im Außenbereich von den schuleigenen Ziegen,

im Innenbereich
von den engagierten Lehrern und nicht zu vergessen, von den jungen Forschern.
Schließlich stand ihre Arbeit an diesem Tag im Vordergrund. In der Aula waren
die Ergebnisse der 3.Klässer-Projektarbeit in Bild, Ton und Film ausgestellt.
Das diesjährige Motto lautete: wir forschen in Tübingen und kommen unserer
Stadt auf die Schliche, getreu dem Motto: Wieso – Weshalb – Warum und ergänzen
noch bei soviel Historie Wann? Selbst oder besser gerade das Rathaus von
Tübingen blieb vom Forscherdrang nicht verschont und musste seine kleinen und
großen Geheimnisse preisgeben.

Die Schülerinnen und Schüler lernten, wann es
gebaut und renoviert wurde und waren sehr beeindruckt von der astronomischen
Uhr. Die Polizei gewährte einen Blick hinter die Kulissen und bei einem
Wengerter wurde der Weinbau erkundet.


Einige gingen der Frage nach, seit wann ein Plumpsklo den Gang zum stillen Örtchen ermöglichte und fanden heraus, dass die Ammer als Abwassersystem der Stadt diente und es dementsprechend in der Stadt stank. Schon Goethe bemängelte diesen Umstand in seinen Berichten über Tübingen. In kleinen Gruppen, begleitet und betreut sowohl von Lehrern als auch Eltern schwärmten die kleinen neugierigen Geister in Tübingen aus und erforschten ihre Stadt und kehrten ähnlich wie fleißige Bienen mit Neuigkeiten beladen zum Treffpunkt zurück. Es wurde erfragt, gefilmt, geschrieben und fotografiert, was das Zeug hergab. Schließlich sollte das Forschungsergebnis dazu dienen, die Unwissenden aufzuklären. Stolz wie Oskar, und das konnten die Mädchen und Jungen auch wirklich sein, zerrten sie Mama, Papa, Oma und Opa zu den einzelnen Videofilmen zum Gucken oder zur Audiostation, um die Interviews zu hören.

Schautafeln, Bilder, kurze Aufsätze vermittelten einen weiteren Eindruck, mit welchem Eifer und Ernsthaftigkeit die 9-jährigen Schülerinnen und Schüler ihre Projektarbeit umgesetzt haben. Hier ist zu spüren, die Kinder gehen gerne in ihre Schule. Das Engagement der Lehrer fällt zum Wohle der Kinder auf fruchtbaren Boden und vermittelt: Lernen macht Spaß. Bleibt den Schülerinnen und Schülern zu wünschen, dass sie beim Schulwechsel nach dem 4. Schuljahr weiterhin mit Spaß für den „Ernst des Lebens“ lernen können.
