Zu Besuch bei:
Johannes Galic, Geigenbauer.
Mitten in unserer schönen Universitätsstadt Tübingen in der Lange Gasse 22 befindet sich die Geigenbauwerkstatt mit Laden und Ausstellungsraum von Johannes Galic. Düfte von Lavendel und edlen Baumharzen entführen die Besucher in eine Welt, in der ein Instrument sprichwörtlich „die erste Geige“ spielt. Geigen überall wohin das Auge schaut, in Vitrinen, von der Decke hängend, auf der Werkbank, neue, alte, defekte, reparierte, restaurierte und gestimmte. Weitere Streichinstrumente präsentieren sich erhaben, wissend um ihre Schönheit.
Bilder: Sylvia Wollny
Der fließende Übergang zur offenen Werkstatt gestattet einen Einblick in das Handwerk des Geigenbaus, fast ein wenig wie bei Meister Eder, nur alles kleiner, Werktische statt Hobelbank und ohne Pumuckl. Johannes Galic hat hier ein Ambiente geschaffen, in dem es sich gut zuhören lässt, wenn er über sich und den Geigenbau erzählt. Musik und Musizieren begleiten ihn seit seiner Kindheit, ebenso Kunst und Malerei. Ach, zwei Herzen schlugen in seiner Brust als es um seine Berufswahl ging. Letztendlich entschied er sich für die Musik und den Geigenbau. Bereits mit 22 Jahren war er Geigenbaugeselle und mit 29 Jahren Meister seines Faches einer jahrhunderter alter Tradition. In seiner sympathischen Art erzählt er von dem tiefen Wissen über Musik, Kunst und sogar Architektur als wünschenswerte Grundlage für eine Ausbildung zum Geigenbauer. Neben handwerklichen Geschick und einem guten Gehör sind umfassende Holzkenntnisse unabdingbar, denn nur wer die Spuren des Holzes lesen kann, weiß um die Klangeigenschaften des zu schaffenden Instruments. Grundierung und Lack sorgen sozusagen für den letzten „Schliff“ und guten Ton. Während alles im Wandel begriffen ist, sich verändert, modernisiert wird, ist die Geige seit mehr als 300 Jahren ein gleichbleibendes, aber kein auslaufendes Modell. Die Technik, das Material, die Rezepturen alles nach alter Sitte, bleibt da noch Spielraum für Neues, Innovatives? Durchaus, wenngleich es sehr schwer ist, die Nische zu finden, um sich von den Kollegen abzuheben. Ein ganz wichtiger Aspekt ist, Qualität vor Quantität zu stellen. Ständiges Weiterbilden, die Bereitschaft und der Wille von den Besten der Besten zu lernen, nicht nur die Instrumente sondern auch sich selbst auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln, all dies schafft die Basis für einen wirtschaftlichen Erfolg. Es gehört ebenso dazu, Bedürfnisse und Anforderungen der Musiker hierfür zu kennen, Lösungen zu finden und zu erarbeiten. Auch die Herstellungszeit spielt eine große Rolle, immerhin dauert es einen Monat bis eine Geige das erste Mal erklingt. Nun ist es Johannes Galic nach einigen Jahren des Experimentierens gelungen, mittels eines einzigartigen Prozesses der Holzbehandlung nicht nur einen schönen Farbton sondern auch den „alten“ Klang für seine Instrumente in kurzer Zeit zu erzielen. Er überzeugte die Fachwelt mit seinem Klangergebnis und hat seinen persönlichen Grundstein für einen nachhaltigen langfristigen Erfolg gelegt. Er kann sich somit gegen die industriell gefertigten Geigen behaupten. Bei allem Forschergeist und Erschaffensdrang liegen ihm auch Reparatur und Restaurationen von Instrumenten am Herzen - im Kleinen als auch im Großen. Altes bewahren, Neues schaffen, der Kunst dienen, diese Botschaft strahlt Johannes Galic aus, wenn er über seine Passion des Geigenbaus erzählt. Unter www.geigenbau-galic.de finden Sie weitere Informationen.
J. Galic arbeitet an einem Cello syw