Friedensnobelpreisträger
Desmond Tutu zu Gast in TübingenUbuntu
– Ein Plädoyer für die Menschlichkeit
Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land. Zitat von Desmond Tutu. Quelle: Wikipedia
Am Montag, 15.06.2009 hielt Erzbischof Desmond Tutu im
voll besetzten Uni-Festsaal der Neuen Aula die 8. Ethosrede Er folgte damit der
Einladung von Prof. Dr. Hans Küng, Präsident der Stiftung Weltethos, Tübingen.
Beeindruckend – dieses Prädikat passt sowohl auf den Redner als auch auf die
Rede: „Globale Ethik und menschliche Würde, eine afrikanische Perspektive“.
Prof. Dr. Hans Küng beschrieb in seiner Begrüßungsansprache eigene Eindrücke, die er bei Besuchen auf dem afrikanischen Kontinent, insbesondere in Südafrika gesammelt hatte und hieß Erzbischof Tutu als diesjährigen Redner recht herzlich willkommen. Desmond Tutu ist neben Nelson Mandela eine der bekanntesten Persönlichkeit der südafrikanischen Nation. Sein stolzes Alter von 77 Jahren ist ihm nicht anzumerken. Lebhaft blitzten seine Augen während der gesamten Redezeit und strahlten viel Zuversicht aus.
Zu Beginn seiner Rede, mit Humor und Herzblut gehalten, ging Desmond Tutu auf ein friedliches Miteinander der Weltreligionen und den Glauben ein. Sein Fazit: Es ist ganz klar, das Problem sind die Gläubigen, nicht der Glaube. Er machte ganz deutlich, die Religion wird durch den Zufall der Geburt bestimmt und rief zu friedvollem Respekt und Toleranz gegenüber Andersgläubigen auf.
Nach seinem Dank an Prof. Dr. Küng für die Arbeit der Stiftung Weltethos, kam er zum Kern seiner Rede: Afrika. Provokativ stellte er die Frage: Ist Afrika der zum Scheitern verurteilte Kontinent? Das schlechte Beispiel für alle anderen Nationen um mit dem Finger darauf zu zeigen um von sich ablenken zu können? Es ist nicht mehr das gleiche Afrika der heiligen Familie, des Augustinus, das Land der frühen christlichen Wiege. Es ist ein Kontinent voller Kriege, Krankheiten, Diktatur, Bürgerkriege, Armut und hoher Sterberate durch HIV Aids vornehmlich in Südafrika. Sind Afrikaner Stiefkinder Gottes? Fakt ist, dass anders als bei den arabischen reichen Nachbarn, den jungen afrikanischen Nationen nach jahrhunderter langer Fremdbestimmung die Vorbereitung auf Eigenständigkeit fehlt, um die eigenen Ressourcen zu nutzen.
Mit der Philosophie eines einzigen Wortes „Ubuntu“ (afrikanisches Wort für Menschlichkeit) zeigt er den Weg in eine Welt der Mitmenschlichkeit auf. Aus dem Zulu stammt folgender Satz: „umuntu ngumuntu ngabantu - eine Person ist eine Person durch andere Personen“. Ubuntu, das sind die menschlichen Fähigkeiten für Mitleid, Großzügigkeit, Gastfreundschaft, ein Leben in gesellschaftlicher Harmonie. Ein großes Vorbild für Ubuntu ist Nelson Mandela, der nach seiner Freilassung 1990 zur Vergebung und Versöhnung aufgerufen hatte. Ubuntu, das ist Mut machen zur Vergebung, zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit, das heißt Brücken bauen statt hassen. Ubuntu, das ist die Werthaltigkeit, die Gewissheit, dass wir alle ein Teil der menschlichen Familie sind, jeder hat den gleichen Anspruch auf Würde.
Er erklärte den aufmerksam lauschenden Zuhörern warum in Südafrika keine Prozesse wie nach dem 2. Weltkrieg in Nürnberg abgehalten wurden. Es gab im weitesten Sinn keine Sieger und Verlierer, es wurde der Weg des Kompromisses gewählt. Ebenso hatte er die Größe, Fehlverhalten in der Haltung zu den diktatorischen Auswüchsen im einst so demokratischen Nachbarland Simbabwe einzugestehen.
Ubuntu, das ist auch sagen zu können „Verzeih mir“, sich zu entschuldigen. Ubuntu, das ist es, was mit dem Wirken der Stiftung Weltethos der gesamten Menschheit zurück gegeben werden soll: Mitmenschlichkeit. Mit tosendem Applaus ging die 8. Ethosrede in Tübingen zu Ende.
Zur Person Desmond Tutu: geboren am 7. Oktober 1931,
verheiratet seit 1955,
4 Kinder, Beruf: Lehrer seit 1954, 1961 Priesterweihe,
arbeitete zeitweise in London, seit 1975 wieder in Südafrika tätig. Inhaber
etlicher Ehrendoktorwürden, Vorsitzender von Südafrikas Wahrheits- und
Versöhnungskommission
Alles über die Stiftung Weltethos mit Sitz in Tübingen
finden Sie unter www.weltethos.org
Dieser Artikel ist in Tübingen im Fokus am 19.06.2009 erschienen.